GPL & WordPress – Teil 1: Was ist die GNU General Public License überhaupt?

Dies ist Teil 1 einer 10-teiligen Lese-Reihe über WordPress, die GPL-Lizenz, AGB-Konflikte, Markenrecht und freien Code. Die Reihe beleuchtet kritisch beide Seiten und schließt mit einem klaren Fazit ab.

Der Ursprung: Richard Stallman und die Free Software Foundation

Die Geschichte der GNU General Public License (GPL) beginnt 1983 mit Richard Stallman, einem Programmierer am MIT. Als er feststellt, dass proprietäre Software Nutzern Freiheiten entzieht – die Freiheit zu lesen, zu verändern, weiterzugeben –, gründet er das GNU-Projekt und formuliert eine radikale Gegenvision: Software, die für alle frei bleibt.

1989 erscheint die erste Version der GPL. Ihr Kernprinzip ist das sogenannte Copyleft: Wer GPL-lizenzierten Code nutzt, verändert oder weiterverbreitet, muss sein Werk ebenfalls unter der GPL veröffentlichen. Freiheit pflanzt sich fort – zwangsweise.

Die vier Freiheiten

Die GPL basiert auf vier fundamentalen Freiheiten für jeden Nutzer von Software:

  • Freiheit 0: Das Programm für jeden Zweck ausführen zu dürfen.
  • Freiheit 1: Die Funktionsweise des Programms zu untersuchen und es den eigenen Bedürfnissen anzupassen (Quellcode-Zugang vorausgesetzt).
  • Freiheit 2: Kopien des Programms weitergeben zu dürfen, um dem Nächsten zu helfen.
  • Freiheit 3: Das Programm zu verbessern und diese Verbesserungen zu veröffentlichen, damit die gesamte Gemeinschaft davon profitiert.

GPL v2 vs. GPL v3: Was hat sich geändert?

WordPress verwendet bis heute die GPL v2 (mit der Option „or any later version”). GPL v2 von 1991 war die dominierende Version in der Open-Source-Welt. GPL v3 erschien 2007 und adressiert zusätzliche Bedrohungen wie Tivoization (Hardware-Sperren gegen modifizierte Software) und Software-Patente – Themen, die für das WordPress-Ökosystem weniger relevant sind, weshalb v2 die Basis bleibt.

Was die GPL nicht ist

Ein weit verbreitetes Missverständnis: GPL bedeutet nicht zwingend kostenlos. „Free software” meint Freiheit, nicht Gratis. Entwickler dürfen GPL-Software verkaufen – sie müssen lediglich den Quellcode bereitstellen. Dieses Prinzip ist das Fundament des gesamten kommerziellen WordPress-Ökosystems und gleichzeitig der Kern vieler Konflikte, die wir in dieser Reihe beleuchten werden.

Warum das für WordPress wichtig ist

WordPress ist das meistgenutzte CMS der Welt – betreibt über 40 % aller Websites. Als GPL-lizenziertes Projekt hat diese Lizenz direkte Auswirkungen auf jeden Entwickler, der Themes oder Plugins erstellt, jedes Unternehmen, das WordPress-Produkte verkauft, und jeden Nutzer, der glaubt, unbegrenzte Rechte an einem gekauften Plugin zu haben. In den folgenden Teilen dieser Reihe werden wir sehen, wie tiefgreifend diese Lizenz das gesamte Ökosystem prägt – und wo die Grenzen des freien Codes tatsächlich liegen.

Weiter zu Teil 2: Wie WordPress zur GPL-Plattform wurde →


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